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Künstler: Jonathan, 11 Jahre

   

Hodenhochstand

Von einem Hodenhochstand (Maldescensus testis, Kryptorchismus) spricht man, wenn einer bzw. beide Hoden nicht im Hodensack sichtbar bzw. tastbar sind. Entwicklungsgeschichtlich liegen anfänglich beide Hoden unterhalb der Nieren im hinteren Bauchraum. Ab dem 2.-3. Schwangerschaftsmonat kommt es zur Verlagerung durch den Leistenkanal in den Hodensack. Bis zum Ende des 8. Schwangerschaftsmonats sollten beide Hoden im Hodensack liegen; manchmal wird dieser Zustand aber auch erst innerhalb der ersten Lebensmonate erreicht.

Ursachen des Hodenhochstandes können im wesentliche anatomische Besonderheiten oder hormonelle Störungen sein.

Man unterscheidet dabei mehrere Erscheinungsformen:

  1. Maldescensus: Von einem Maldescensus spricht man, wenn die Hoden zu hoch oder an falscher Stelle liegen.
  2. Hodenektopie: Bei einer Hodenektopie sind der oder die Hoden deszendiert, d.h., aus der Bauchhöhle herabgewandert, und liegen entweder oberhalb des Leistenringes, im Bereich der Bauchmuskeln oder seltener am Oberschenkel.
  3. Pendelhoden oder Wanderhoden: Ein Pendelhoden wird aufgrund unterschiedlicher Reize (z.B. Kälte; Schamgefühl) durch Muskelfasern aus dem Hodensack nach oben gezogen. Dies kommt in der Vorpubertät häufig vor und ist nicht behandlungsbedürftig.
  4. Gleithoden: Bei einem Gleithoden liegen einer oder beide Hoden am Ausgang des Leistenkanals. Auch diese lassen sich durch leichten Zug in den Hodensack verlagern, aber im Gegensatz zum Pendelhoden kehrt der Hoden wegen des zu kurzen Samenstranges anschließend wieder in seine Ausgangsposition zurück.
  5. Anorchie: Das vollständige Fehlen einer oder beider Hoden

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt wird regelmäßig die Lage der Hoden kontrolliert. Als Eltern sollten Sie gelegentlich beim Wickeln aber auch selbst darauf achten, ob sich beide Hoden im Hodensack befinden. Lässt sich ein Hoden nicht ertasten, sollte eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Mit Hilfe dieses Verfahrens kann man die Lokalisation und das Volumen des Hodens bestimmen. Mit einem Hormonstimulationstest kann eine Unterscheidung zwischen beidseitigem Hodenhochstand und völligem Fehlen der Hoden erfolgen.

Um Folgeschäden an den Hoden zu vermeiden, ist eine rechtzeitige Diagnostik bezüglich der Lage des Hodens und die wahrscheinliche Ursache des Hodenhochstandes unbedingt erforderlich. Die Hoden sollten bis zum Ende des ersten Lebensjahres im Hodensack liegen, da sich die Anzahl der Vorstufen der Samenzellen ab dieser Zeit zunehmend verringert und die Fruchtbarkeit dann deutlich abnimmt. Zusätzlich kann es im Erwachsenenalter zu einem erhöhten Risiko für einen bösartigen Hodentumor kommen.

Sinnvollerweise führt man eine Hormonbehandlung am Ende des ersten Lebensjahrs durch; die Operation sollte spätestens mit etwa 15 Monaten erfolgen.

Hormontherapie

Eine frühzeitige Hormontherapie führt in wenigen Fällen zum Erfolg. Dabei lässt sich eine deutliche Erhöhung der Spermienvorläuferzellen nachweisen. Man unterscheidet zwei Hormone, die als Therapieverfahren einzeln oder kombiniert angewendet werden können.

  1. GnRH (Gonadotropin releasing hormone)
    GnRH regt ebenfalls die Testosteronbildung an und stimuliert so das Herabgleiten der Hoden. Gleichzeitig führt das Hormon zu einer Stimulation und Verbesserung der Spermienzahl und Spermienreifung. Diese Form der Hormontherapie wird von uns bevorzugt, wenn sie angezeigt ist.
    Anwendung: als Nasenspray (Kryptokur® 3x tgl. 2 Sprühstöße à 0,2 mg über vier Wochen).
  2. ß-HCG (Humanes Choriongonadotropin)
    ß-HCG ist ein Hormon, das den Testosteronspiegel erhöht.
    Anwendung: Spritzen i.m. (Predalon® 1x Woche 1500 IE. über drei Wochen).

Operation

Bleibt die Hormonbehandlung erfolglos, kommt es zum erneuten Höhertreten der Hoden nach anfangs gutem Ansprechen der Hormonbehandlung, besteht gleichzeitig ein Leistenbruch oder liegen die Hoden an einer untypischen Stelle (Hodenektopie), so erfolgt die Operation ohne weitere Maßnahmen.

Dabei wird ein Schnitt von etwa 1,5 cm Länge in der Leiste durchgeführt und der Hoden mitsamt seiner Samenstranggefäße von Verwachsungen befreit und in den Hodensack verlagert, um eine normale Entwicklung zu gewährleisten. In sehr seltenen Fällen findet man einen verkümmerten Hoden, der komplett entfernt werden sollte, um Folgeschäden zu verhindern.

Sollte ein Hoden mit der Ultraschalluntersuchung nicht eindeutig nachweisbar sein, ist eine Bauchspiegelung angezeigt. Dabei wird er im hinteren Bauchraum identifiziert und nach unten zur Leiste verlagert; meist ist die endgültige Fixierung im Hodensack erst in einem zweiten Eingriff möglich.

 
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